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Gegenüberstellung der Charakteristika von Symptomen mit systemischen vs. muskuloskelettalen Ursachen

Auszug aus dem Buch Red Flags erkennen – Differenzialdiagnostik in der muskuloskelettalen Physiotherapie (ISBN 9783132421134), Autoren: Harry von Piekartz, Christoff Zalpour, © 2023 Georg Thieme Verlag KG

Beginn

  • meistens neu und plötzlich:
    • bei chronischen Schmerzen werden nur dann systemische Ursachen vermutet, wenn sich die klinische Präsentation plötzlich oder kürzlich geändert hat oder der Patient konstitutionelle Symptome entwickelt bzw. Symptome und Zeichen, die im Zusammenhang mit einem Organsystems stehen
  • kann je nach Geschichte plötzlich oder allmählich sein:
    • plötzlich auftretend: üblicherweise im Zusammenhang mit akuter Überlastung, traumatischem Ereignis, sich wiederholenden Bewegungen; kann als Nebenwirkung einiger Medikamente auftreten (z. B. Statine)
    • allmählich auftretend: sekundäre bis chronische Überlastung des betroffenen Körperabschnitts; kann über Jahre hinweg immer wieder auftreten und verschwinden

Beschreibung

  • einseitig oder beidseitig
  • in der Regel schlecht zu lokalisieren
  • messerstichartige Schmerzen von innen nach außen; bohrend; tiefsitzender Schmerz
  • schneidend, nagend
  • pochend
  • Knochenschmerzen
  • normalerweise einseitig
  • in der Regel gut zu lokalisieren (abgesehen von tieferliegendem Gewebe)
  • Schmerz, Schmerzqualität

Dauer

  • konstant, keine Veränderung, Patient wacht nachts davon auf
  • in der Regel intermittierend, kann aber auch konstant sein; abhängig von bestimmten Aktivitäten oder Positionen

Symptomverhalten (sich verbessernd und sich verschlechternd)

  • passt normalerweise nicht zu einem mechanischen Muster, das mit Bewegung, Belastung oder Haltung zusammenhängt
  • organabhängige Beschwerden, z. B.
    • Speiseröhre: Essen oder Schlucken verändert die Symptome
    • Herz: Erkältung, Anstrengung, Stress, schwere Mahlzeiten (vor allem in Kombination) führen zu Symptomen
    • gastrointestinales System: Peristaltik (Essen) beeinflusst die Symptome
    • urogenitales System: Symptome treten im Zusammenhang mit Blasenfunktion oder Menstruation auf
  • obwohl konstant, kann der Schmerz wellenförmig auftreten
  • schrittweise progressive; zyklisch
  • Nachtschmerzen (konstant, stark), z. B. Brust-/Schulterschmerzen, begleitet von Kurzatmigkeit und Keuchen, Sitzen lindert die Symptome (verringern des venösen Rückstroms zum Herzen): Hinweis auf mögliche pulmonale oder kardiovaskuläre Ursache
  • Migration von Arthralgien: Schmerzen/Symptome in einem Gelenk für eine Woche, verschwinden
    dann und treten in einem anderen Gelenk wieder auf
  • keine Verschlechterung oder Verbesserung der Symptome durch die körperliche Untersuchung;
    Ausnahmen: Änderung der Symptome in „organabhängigen“ Mustern, z. B.:

    • Gallenblase: Nach-vorne-lehnen kann Symptome reduzieren.
    • Niere: Neigen zur betroffenen Seite kann Symptome reduzieren.
    • Pankreas: Aufrechtes Sitzen oder Nach-vornelehnen kann die Symptome reduzieren.
  • meistens ein vorhersagbares, „mechanisches“ Muster mit Symptomen, die durch bestimmte
    Bewegungen, Belastungen oder Haltungen hervorgerufen/ verschlimmert werden
  • Symptome werden gelindert durch Ruhe, Positionsänderung, Bewegung, Hitze oder Kälte
  • deutliche Zeichen bei der körperlichen Untersuchung (z. B. bei aktiven / passiven/ akzessorischen Bewegungen), welche die Symptome provozieren

Assoziierte Beschwerden und klinische Zeichen

  • konstitutionelle Symptome:
    • Fieber (> 37,5 Grad Celsius, Dauer >2–3 Wochen), Schüttelfrost
    • Diaphorese (übermäßiges Schwitzen)
    • Schwitzen zu jeder Tages- und Nachtzeit
    • Symptome einer generellen Infektion: Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, ungeplanter Gewichtsverlust (mehr als 10 % des Körpergewichts in 10–21 Tagen); denke an: Depression, Krebs, Magen-Darm-Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Blässe
  • Sehstörungen, Kopfschmerzen, Synkopen (Ohnmachtsanfälle), Schwindel
  • Fatigue; denke an: Malignität, Infektion, rheumatische Erkrankung
  • Dyspnoe (Atemnot in Ruhe oder nach leichter Anstrengung)
  • veränderte Vitalzeichen
  • frühes Sättigungsgefühl (Völlegefühl nach dem Essen)
  • bilaterale Symptome (z. B. Parästhesien, Schwäche, Ödeme, Nagelbettveränderungen, Hautausschlag)
  • schmerzlose Muskelschwäche: häufiger proximal, kann aber distal auftreten
  • unerklärliche Geschwulste
  • Hautläsionen, Hautausschläge oder Juckreiz, welche möglicherweise nicht mit muskuloskelettalen Symptomen zusammenhängen
  • Darm- / Blasensymptome
  • normalerweise keine anderen nicht-muskuloskelettalen Symptome; beachte: eine Stimulation von Triggerpunkten kann zu Schwitzen, Übelkeit und Blässe führen!

Reaktion auf physiotherapeutisches Management

  • Die Symptome werden durch physiotherapeutisches Management nicht langfristig verbessert.
  • Bei manchen Pathologien (z. B. Krebs, Fraktur) können die Symptome durch die körperliche Untersuchung und physiotherapeutische Intervention unverhältnismäßig verstärkt werden.
  • Symptome werden verbessert durch den natürlichen Heilungsverlauf und das physiotherapeutische Management.
Red Flags Erkennen

Red Flags erkennen

Harry von Piekartz, Christoff Zalpour

Medientyp: Buch
Auflage: 1 2023
Seitenanzahl: 264 S., 221 Abb., gebunden (FH)
ISBN: 9783132421134

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